Siemens Mobile

Im Jahr 1985 wagte sich der deutsche Technologie-Riese Siemens auf bislang unbekanntes Terrain und brachte mit dem C1 sein erstes Mobiltelefon auf den Markt. Obwohl noch nicht so genannt, war damit bereits die Tochterfirma Siemens Mobile geboren. Die Aktiengesellschaft leistete dabei in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit: Das 1997 erschienene S10 war das weltweit erste Handy mit Farbdisplay und das 1999 herausgekommene SL10 das erste Mobiltelefon mit Slider-Format. Ein Jahr später übernahm die Siemens AG die Handysparte der Robert Bosch GmbH. Dies war zugleich der offizielle Startschuss dafür, dass eigene Mobilfunkgeschäft in eine Tochterfirma mit Namen Mobile zu verlagern.

Die Mobilfunksparte wächst

Erst einmal blieb auch die neue Tochterfirma Mobile am Puls der Zeit: 2003 erschien das SX1, das mit dem Symbian-Betriebssystem arbeitete und damit streng genommen eines der ersten Smartphones der Geschichte war. Es erschien vier Jahre vor dem ersten iPhone. Die Mitarbeiterzahl von Mobile kletterte auf 6000 Beschäftigte. Weltweit erreichte Siemens 2003 mit den Mobiltelefonen einen Marktanteil von acht Prozent, doch dieser stürzte nur ein Jahr später auf 5,5 Prozent ab. Dennoch blieb Siemens der fünftgrößte Handyhersteller der Welt.

Siemens Mobile war ein Vorreiter in der Handybranche (Bildquelle: Bildquelle-ID: 65228818 by Robert Fruehauf)

Siemens Mobile war ein Vorreiter in der Handybranche (Bildquelle: Bildquelle-ID: 65228818 by Robert Fruehauf)

Die unheilvolle Ehe mit BenQ

Doch im Jahr 2005 kam völlig überraschend das Ende von Siemens Mobile. Noch im Januar hatte Heinrich von Pierer eigentlich erklärt, man wolle die Handy-Abteilung nicht verkaufen, doch nur sechs Monate später geschah genau dies. Im Juni wanderte sie an den taiwanesischen Hersteller BenQ, der sie unter dem Namen BenQ Mobile in München neu eröffnete. Von Beginn an herrschte der Verdacht, BenQ habe den Kauf nur getätigt, um die eigenen Handys künftig unter dem Namen BenQ-Siemens vertreiben zu dürfen. Den Standort in Deutschland würden die Taiwanesen schon bald auflösen. Tatsächlich kam es sogar noch schlimmer als gedacht: Der Marktanteil der Mobilfunksparte gab unter BenQ noch einmal um 40 Prozent nach. Die Taiwanesen hatten sich heftig verspekuliert und mussten als Gesamtkonzern im Jahr 2006 Insolvenz anmelden. 2007 sprang auch der letzte Investor ab und die Geschichte der Handysparte von Siemens nahm ein endgültiges und unrühmliches Ende.

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